Ikonen der Gemeinschaft

Jesus Christus, der Erlöser und Lebensspender

Wir betrachten eine Ikone mit dem Titel ,,Jesus Christus, der Erlöser und Lebensspender".
In griechischer Sprache ist der Titel in den Goldgrund eingeschrieben:
IC XC O Cwt Hr z od thC.

Lesung: Kolosser 1,15-20

15 Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. 16 Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen. 17 Er ist vor aller Schöpfung, in ihm hat alles Bestand. 18 Er ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche. Er ist der Ursprung, der Erstgeborene der Toten; so hat er in allem den Vorrang. 19 Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, 20 um durch ihn alles zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.

Ikonen wollen "Fenster" sein zu einer geistlichen Wirklichkeit, die Zeit und Raum transzendiert. Vor dem Goldgrund der Ewigkeit sehen wir die machtvolle Gestalt Christi. Die purpurne Farbe seines Untergewandes verweist auf die göttliche Natur Christi. Der goldene Zierstreifen war in der Antike ein Privileg hoher Persönlichkeiten des Reiches. Das blaugrüne Obergewand erinnert an die menschliche Natur, die der Sohn Gottes angenommen hat. Beide Farben zusammen waren die Repräsentationsfarben des byzantinischen Kaiserhauses. Christus wird als der wahre Weltenherrscher dargestellt. Der byzantinische Kaiser ließ sich als Kosmokrator anreden. Christus wird in der Ostkirche im Anschluss an den Gottestitel der LXX (Septuaginta) und der Offenbarung des Johannes (1,8; 4,8; 15,3; 21,22) Pantokrator/ Allherrscher genannt. Die Pantokrator-Ikonen stellen Christus als den erhöhten Herrn dar, der wiederkommt. Auf den Ikonostasen der orthodoxen Kirchen befindet sich links von der königlichen Tür eine Gottesmutter-Ikone zur Vergegenwärtigung der Menschwerdung Christi, rechts eine Pantokrator-Ikone als Darstellung des wiederkommenden Christus. Durch die königliche Tür begegnet uns Christus in der Zeit der Kirche im Evangelium und in den eucharistischen Gaben. Bei der Darstellung des Pantokrators wird manchmal mehr betont, dass er der gerechte Richter ist, manchmal, wie auf unserer Ikone, dass er der Erlöser voll erbarmender Liebe, der Retter und Lebenspender ist.

In seiner linken Hand trägt Christus die Heilige Schrift. Manchmal ist das Buch geöffnet und enthält einen der folgenden Verse aus dem Evangelium: Joh 8,12 (,,Ich bin das Licht der Welt. ..."), Joh 10,9 (,,Ich bin die Tür. ..."), Mt 11,28 (,,Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. ...") oder Mt 25,34 (,,Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid,...").

Christus trägt das Evangelium an der Seite seines Herzens. Er bringt Kunde vom Herzen des Vaters (Joh 1,18).

Hier ist das Buch geschlossen als Zeichen für den, der allein das Buch des Lebens besitzt und seine Siegel zu öffnen vermag, vgl. Offb 5.

Das Buch ist vom Obergewand in der Farbe der sterblichen Menschennatur umgeben.

Joh 1,14 sagt uns, Christus sei ,,das fleischgewordene Wort".

Die rechte Hand Christi ist zum Segensgestus erhoben. Zeige- und Mittelfinger formen ein Chi (X), die drei übrigen Finger ein Rho (P), die Abkürzung für Christus, den mit dem Heiligen Geist Gesalbten. Die zwei Finger erinnern zugleich an die zwei Naturen Christi, die göttliche und die menschliche. Die drei Finger an den dreieinigen Gott, der uns in Christus begegnet.

Besonders Gesicht und Hals, aber auch die Hände Christi sind von einer verklärten Leiblichkeit. Auf den Ikonen ist die Lichtquelle innen, nicht außen. Joh 1,14 heißt es: ,,Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit."

Christus ist ,,eines Wesens mit dem Vater" (Credo). Er ist das ,,Ebenbild des unsichtbaren Gottes" (Kol 1,15), zugleich der Prototyp des verwandelten, heilen Menschen, der durch den Heiligen Geist zu seiner vom Vater gemeinten Schönheit gestaltet ist.

,,Aus seiner Fülle empfangen wir Gnade über Gnade." (Joh 1,16). In den Nimbus ist eingezeichnet: der Seiende, der dem Mose geoffenbarte Gottesname (Ex 3,14). Im Johannes-Prolog heißt es: "In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen." (Joh 1,4). Das in den Nimbus eingezeichnete Kreuz erinnert uns daran, dass Christus durch seinen Tod am Kreuz für uns zum ,,Erlöser und Lebensspender" geworden ist, als den ihn die Ikone bezeichnet.

Betrachten wir die Christus-Ikone noch einmal in ihrer Gesamtheit, so leuchtet in ihr durch die Gestalt Christi hindurch der dreieinige Gott auf: Aus dem Gesicht Christi blickt uns die schöpferische Liebe des unsichtbaren Vaters an. Die Bibel in der linken Hand kennzeichnet Christus als das Wort Gottes, das Mensch wurde, um uns zu erlösen. Auf seine Weisung sollen wir hören (Lk 9,35). Die rechte Hand deutet Jesus als den Christus, mit Heiligem Geist gesalbt, den er, der Lebensspender, uns anbietet.

Ikonen versuchen nicht, durch Zentralperspektive eine Raumillusion zu schaffen. Für sie ist der sogenannte Fluchtpunkt vielmehr der Betrachter. Auf ihn soll das Bild aus der jenseitigen Welt wirken. Die Ikone auf dem Altar ist geweiht. Die Weihe verbürgt, dass im Heiligen Geist der Dargestellte, Christus, gegenwärtig wird. Wenn wir ihn mit vom Heiligen Geist erleuchteten Augen des Herzens (vgl. Eph 1,18) anschauen, erleben wir, wie er uns anschaut. Er lädt uns ein zu liebender Hingabe, damit er uns durch den Heiligen Geist verwandeln kann zu einer lebendigen ,,Ikone Christi".

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